Selbstverletzendes Verhalten bei Teenagern

Selbstverletzendes Verhalten und psychische Belastungen: Hilfe in der Corona-Krise

Selbstverletzendes Verhalten kommt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen öfter vor als man denkt: Etwa jeder dritte Jugendliche hat sich schon einmal selbst verletzt. Bei starken emotionalen Belastungen nimmt das Verhalten häufig zu. Aktuell sind viele solcher Belastungen vorhanden: Etwa die Sorge um die Ausbildung, Abschlüsse oder den Arbeitsplatz, das Wegfallen direkter Kontakte zu Freunden und Unternehmungen mit der Clique oder die Angst, sich selbst oder andere mit dem Coronavirus anzustecken.

Wie wird selbstverletzendes Verhalten begründet?

Jugendliche, die sich selbst verletzen, begründen das am häufigsten damit, dass sie sich von überwältigenden negativen Gefühlen befreien möchten. Oder sie geben an, dass sie einem Gefühl der Taubheit und Leere entgehen und wieder „etwas“ spüren möchten. Selbstverletzendes Verhalten kann je nach Person unterschiedlich oft auftreten und unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Obwohl dieses Verhalten mit Schmerzen verbunden ist, führt es kurzfristig dazu, dass die negativen Gefühle nachlassen. Langfristig entstehen aber oft negative Gefühle, vor allem Schuld- und Schamgefühle. Sie können wiederum zu mehr selbstverletzendem Verhalten führen.

Wie zeigt sich selbstverletzendes Verhalten?

  • sich „ritzen“, also sich oberflächliche Schnittverletzungen mit einer Rasierklinge oder einem anderen scharfen Gegenstand zufügen
  • sich Schnittverletzungen oder Verbrennungen zufügen
  • sich selbst schlagen

Was tritt oft gleichzeitig mit selbstverletzenden Verhalten auf?

  • eine traurige, depressive Stimmung
  • Ängste
  • traumatische Ereignisse im Leben
  • ein übermäßiger Konsum von Alkohol oder Drogen
  • ein erhöhtes Risiko, irgendwann einmal einen Suizidversuch oder Suizid zu begehen.

Wie kann ich mir selbst helfen? Erste Hilfe zum Umgang mit selbstverletzendem Verhalten

  • Schreibe auf, welche Gedanken und Aktivitäten Einfluss auf Deine Stimmung und den Drang zum selbstverletzenden Verhalten haben. So kannst Du mit der Zeit erkennen, welche Gedanken oder Situationen bei Dir den Drang auslösen, Dich selbst zu verletzen und Du kannst gezielt gegensteuern.
  • In einem „Notfallkoffer“ sammelst Du Verhaltensweisen, die du anstelle von selbstverletzendem Verhalten einsetzt:

Beispiele:

  • Meerrettich essen, auf Chilischoten beißen, kaltes Wasser ins Gesicht bringen, Musik hören, Duftöle riechen
  • Kreuzworträtsel lösen, Lesen, Schreiben
  • Sport machen, Backen, Handarbeiten
  • Atemübungen, Entspannungs- oder Achtsamkeitsübung

Sprich darüber. Das fällt Dir vielleicht schwer, weil Du Dich schämst oder Angst hast, dann als „psychisch krank“ oder „verrückt“ zu gelten. Tatsächlich kann es aber sehr hilfreich sein, sich einem anderen Menschen anzuvertrauen. Das kann sehr entlastend sein

Informiere dich im Internet über Unterstützungsangebote. Eine Liste findet sich unten auf der Website.

Hilfe findest Du zum Beispiel bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin. Es ist natürlich auch möglich, gemeinsam mit Deinen Eltern Hilfe in Anspruch nehmen.

Was kann im Alltag noch hilfreich sein?

Oft sind es Kleinigkeiten im Alltag, die helfen können, Stress und negativen Gefühle vorzubeugen:

  • Bewege Dich regelmäßig und ausreichend: Gehe joggen oder fahrradfahren, tanze oder mache Fitnessübungen mit einer App. Im Internet findest Du viele Online-Trainingsangebote.
  • Halte über digitale Medien regelmäßig Kontakt zu Deinen Freunden und Deiner Familie.
  • Sprich positiv mit Dir selbst, mache Dir selbst Mut.
  • Esse gesund und ausgewogen.
  • Schlafe genügend und regelmäßig.
  • Vermeide Alkohol und Drogen.
  • Bitte, wenn notwendig, andere um Hilfe.