24 Stunden Familie – Tipps gegen den Lagerkoller

 

Was zunächst nur zögerlich diskutiert wurde, ist inzwischen in allen Bundesländern Normalität geworden: bis auf Weiteres sollen wir so wenig soziale Kontakte wie möglich haben. Das Motto ist #stayathome. Doch was tun, wenn Kita, Kindergarten und Schule zu sind, Oma und Opa nicht kommen dürfen und auch die Verabredung mit Freunden nicht mehr möglich ist? Auch in Zeiten vor Corona konnte das Familienleben zu einer echten Herausforderung werden. Was passiert, wenn jetzt alle rund um die Uhr zusammen hocken? Hier gibt es Tipps für den Lagerkoller:

Alles wie immer

Das A und O für alle Altersgruppen sind klare Tagesabläufe. Besprechen Sie mit ihrem Kind klare Aufgaben und Tätigkeiten für den Tag und tragen Sie diese in einem für alle sichtbaren Wochenplan ein. Dabei gilt wie auch in normalen Zeiten der natürliche Biorhythmus als Taktgeber. Für viele Kinder ist es hilfreich, wenn die Aufsteh- und Zubettgehzeiten wie zu Kindergarten- und Schulzeiten beibehalten werden.

Bleiben Sie aktiv

Kleinere und jüngere Kinder brauchen viel Bewegungsmöglichkeiten, am besten über den Tag verteilt. Auch wenn die Spielplätze geschlossen sind, nutzen Sie den großen Spielplatz vor der Haustür: die Natur! Machen Sie einen Ausflug in den Wald, oder – wenn Sie in der Stadt leben und kein Auto haben – einen Spaziergang durch den Park.

Ältere Kinder haben keine Lust mehr mit den Eltern spazieren zu gehen, aber auch für sie ist Bewegung wichtig, um Stress und negative Gefühle abbauen zu können. Mit älteren Kindern können Sie zum Beispiel Radtouren machen oder sich zum gemeinsamen Joggen und Workout verabreden. Dabei muss es nicht sofort ein hochprofessionelles Training sein. Kleinere Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen oder Klimmzüge lassen sich auch drinnen in der Wohnung oder draußen im Park umsetzen.

Nichts gegen Dich, aber…

Machen Sie sich bewusst, dass die aktuelle Situation für alle Familienmitglieder schwierig ist. Unter Stress können Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit Ärger, Wut, Angst oder Trauer reagieren. Nehmen Sie diese Reaktionen nicht persönlich, sondern suchen Sie gemeinsam eine Lösung für das aktuelle Problem.

Mach Dein Ding

Schaffen Sie sich selbst Pausen vom „grenzenlosen Erziehungsalltag“.

Vereinbaren Sie klare Zeiten, in denen jeder das tun darf, was er möchte, ohne den anderen zu stören.

Beide Elternteile sollten sich die Erziehungs- und Betreuungsaufgaben aufteilen. Zum Beispiel könnte jeder mal die Begleitung der Hausaufgaben übernehmen, was dem anderen Elternteil Zeit für sich verschafft und noch dazu eingefahrenen Konflikten vorbeugt. Auch Großeltern, Tanten und Onkel können mal für Sykpe-Kontakte oder vorgekochtes Essen angefragt werden.

Für Alleinerziehende gilt: Bauen Sie Möglichkeiten der selbstständigen Beschäftigung auf und bestärken Sie ihr Kind, wenn es für die eigene Unterhaltung selbst sorgt. Sie können Ihr Kind dabei unterstützen, indem Sie zu Beginn des Tages gemeinsam überlegen, welche Aktivitäten drinnen oder draußen möglich sind.

Bewahren Sie den Optimismus

Geben Sie Ihren Kindern das Gefühl, dass Sie als Familie diese Zeit bewältigen können. Alltägliche Aufgaben wie Schularbeiten und Hausarbeit zu erledigen, kann dabei eine große Hilfe sein und Orientierung geben.

Auch Eltern machen sich in dieser Zeit viele Sorgen und haben Ängste, die sich in alle Lebensbereiche ausbreiten. Kinder bekommen von diesen Ängsten und Sorgen oftmals etwas mit. Gehen Sie also ruhig auf Ihre Kinder zu und fragen Sie nach, wie sie die Situation jetzt erleben. Behalten Sie ein offenes Ohr für die jugendlichen Heranwachsenden. Nehmen Sie ihre Ängste und Nöte, vor allem aber ihre Ideen und Perspektiven zur Lösung der Krise ernst.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Tauschen Sie sich aus! Ihre Freunde und Familienmitglieder machen gerade Ähnliches durch wie Sie. Auch wenn der direkte Kontakt zu Freunden, Bekannten und Angehörigen zurzeit nicht möglich ist, können Sie sich über soziale Medien, übers Telefon oder Briefe austauschen und gegenseitig stärken.

Überlegen Sie gemeinsam mit den Kindern, wer in der Nachbarschaft, in der Familie oder im Bekanntenkreis Ihre Hilfe braucht. Fragen Sie die älteren Nachbarn, was Sie ihnen vom Einkaufen mitbringen können oder wo sie sonst noch Unterstützung gebrauchen könnten. Beziehen Sie Ihre Kinder in die Helfertätigkeiten ein. Mit den anderen Familienmitgliedern können Sie zum Beispiel einen Plan aufstellen, wer von den Kindern und Enkelkindern die älteren Familienmitglieder an bestimmten Wochentagen anruft oder ihnen Briefe schreibt.

Soziale Medien sind erlaubt

Für Kinder, mehr noch für Jugendliche, ist der regelmäßige Austausch mit Freunden wichtig. Nutzen Sie Skype, WhatsApp etc. um trotz Kontaktbeschränkungen Kontakte zu ermöglichen. Kinder können so auch zumindest eingeschränkt gemeinsame Spiele spielen. Bleiben auch Sie im Kontakt mit Ihren Bekannten und Verwandten. Vielleicht bietet der befreundete Sport-Trainer mal eine Turnstunde für die Kinder per Skype an.

Räumchen wechsle Dich

Die Welt ist für alle kleiner geworden. Das Meiste spielt sich nur noch in den eigenen vier Wänden ab.

Schaffen Sie Veränderungen im eigenen Heim und eröffnen Sie damit neue Perspektiven.

Renovieren oder Gestalten Sie gemeinsam mit Ihren Kindern um. Vielleicht darf jeder mal bei dem anderen im Bett schlafen. Machen Sie ein Picknick-Frühstück im Flur.

Digital Natives

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit mit digitalen Medien. Sehen Sie die digitalen Medien als Chance. Aktuell gibt es viele tolle Angebote für Kinder und Jugendliche, die Online angeboten werden: Sportkurse, Konzerte, Theaterstücke usw.

Videospiele und Streaming-Dienste bieten in langweiligen Zeiten eine wunderbare Zerstreuung. Dennoch sollte der Umgang mit Playstation, Smartphone und Co. bei unter 15-jährigen noch von den Eltern begrenzt werden: sowohl inhaltlich als auch zeitlich.

Nichts geht mehr…

Sollten Sie dennoch merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen: Nehmen Sie Kontakt zu professionellen Einrichtungen auf. Nach wie vor bieten Erziehungsberatungsstellen, psychotherapeutische Ambulanzen, kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen sowie das örtliche Jugendamt Sprechzeiten an.